Sterben 2.0: Ihr digitales Erbe

Ein Facebook-Profil, die E-Mail von Bluewin und dann noch die Apple-ID oder das Samsung Konto. Wenn heute jemand stirbt hinterlässt er oder sie nicht nur ein klassisches Erbe, sondern auch ein Digitales. Für die Hinterbliebenen ist es jedoch oft sehr umständlich dieses Erbe – z.B. Fotos, Musik, Mails – zu erhalten und zu verwalten.

Wir hinterlassen viele Spuren im Internet und viele davon lassen sich kaum löschen. So gibt es noch immer etliche Twitter und Facebook Accounts von verstorbenen Personen. Facebook fügt zwar – nach aufwändigem Verfahren – bei manchen Accounts ein „In Erinnerung an“ hinzu, doch ob dieser Zusatz von den Erben gewollt ist und dass der Account weiterhin bestehen bleibt ist fraglich.

Das Abonnement auf Lebzeiten

Viele Inhalte, welche digital erworben werden, scheinen auf den ersten Blick als vererbbar, so zum Beispiel die Musikbibliothek oder die Filme auf Computer und Smartphone. Um die Daten zu transferieren muss ja nur eine Festplatte angeschlossen werden. Dies klingt einfach ist es aber nicht, da es oft illegal ist.

In den Nutzungsbedingungen der Händler dieser digitalen Inhalte steht oft, dass die Inhalte nicht wirklich „gekauft“ sind, sondern der Käufer nur ein Nutzungsrecht auf Lebzeiten hat. Dies schliesst seine Erben jedoch nicht mit ein und somit kann es sehr schnell passieren, dass die teure und mühsam digitalisierte Schallplattensammlung, welche mit iTunes Cloud abgeglichen wurde nicht weitergegeben werden kann. 

Weitere Probleme kann es bei den E-Mails geben. Manche Anbieter geben den Erben keinen Zugriff auf die E-Mails der Verstorbenen. Dies kann dazu führen, dass Rechnungen im Posteingang nicht gelesen und somit auch nicht bezahlt werden können. Irgendwann flattern dann Mahnungen und Betreibungen ins Haus. Solche Umtriebe hat man nach dem Tod eines Mitmenschen bestimmt nicht nötig.

Gute Vorbereitung ist nötig

Generell rät man in der IT-Branche davon ab, Login und Passwörter gesammelt auf Papier aufzuschreiben und abzulegen. Doch gerade im Todesfall wäre dies die einfachste Variante, um den Hinterbliebenen die Sache möglichst einfach zu machen. Sicherer wäre es noch, wenn man die Liste schützt, zum Beispiel die Aufbewahrung in einem Safe (eher altmodisch) oder auf einem mit einem Passwort geschützten USB-Stick. Natürlich ist hier sicherzustellen, dass der Safe oder der USB-Stick nur von einigen wenigen Menschen geöffnet werden kann.

Zusätzlich wird empfohlen im Testament festzuhalten, wer sich um das digitale Erbe kümmern soll und wie mit den Accounts verfahren werden darf. Sollen diese gelöscht oder in einen „Trauerzustand“ umgewandelt werden. Wer erbt den Computer mit all den Daten?

Den legalen Weg?

Leider ist es trotz Testament und Totenschein kaum möglich ein umfangreiches digitales Erbe legal aufzuräumen und aufzuheben. Viele Dienste u.a. Facebook weisen ausdrücklich darauf hin, dass sie niemals einer anderen Person Logindaten zu einem Account geben und dass der Prozess des Logins durch eine andere Person bereits gegen die Nutzungsbestimmungen verstösst.

Die Politik hat sich inzwischen dem Thema angenommen und arbeitet an Lösungen für das digitale Erbproblem.

Gerne beraten wir Sie im Umgang mit Ihren Daten und Logins.

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