Vibrationen am Handgelenk

Gastkommentar von Pascal Gasser

Die Theorie

Zu Zeiten, als Nokia noch der Krösus im Bereich Mobiltelefon war, sind die Telefone immer kleiner geworden. Doch seit diese Marktstellung eher Apple und Samsung gehört, geht es wieder in die andere Richtung, die kleinen Full-Screen-Alleskönner werden als wie grösser. Also was tun, wenn man nicht mal mehr sein Handy mit einer Hand bedienen kann, und doch eine schnelle Antwort während des Kochens gesendet werden muss? Eine Smartwatch soll all unsere eigens angeschafften Probleme lösen. Doch was können sie? Und wo ist der wirkliche Nutzen?

Einer der Vorreiter war Pebble, ein Uhrenkonzept mit schwarzweiss Bildschirm und Bluetooth Konnektivität. Somit hat die Uhr vibriert, wenn etwa eine SMS oder eine Email angekommen ist. Akku hatte sie für fast eine Woche, denn der Bildschirm war sehr sparsam. In den letzten Jahren sind die meisten führenden Smartphone Hersteller auf diesen Zug aufgesprungen und haben Ihre eigenen Smartwatches auf den Markt gebracht. Doch wie schon mit der Grösse des Smartphones wurde es auch hier zum Exzess getrieben. Was vor einigen Jahren als gute Idee angefangen hat, ist heute zum Gadget geworden, was viel mehr kann als man eigentlich braucht. Denn ist es wirklich nötig, dass eine Uhr Wireless hat, NFC, einen Barometer, Pulsmesser, Schrittzähler und eventuell sogar noch eine eigene Simkarte?

Der Praxistest

Eigentlich ist dies alles nicht so schlimm, jedoch muss ich inzwischen jeden Abend meine Uhr laden, und somit ein weiteres Ladegerät einpacken, wenn ich nur mal eine Nacht nach Paris fahre.

Ich denke das Problem ist, dass der Durchschnittsnutzer eine Uhr mit einigen Zusatzfunktionen will, und nicht ein Technikgadget mit einer Uhrenfunktion. Doch weil die Industrie genau in diese Richtung produzierte, waren 2016 die Verkaufszahlen schon wieder rückläufig. Doch wir sind am Anfang einer Entwicklung, welche einige Zeit braucht, um sich einzupendeln. Entgegen anderer Meinungen denke ich nicht, dass die Smartwatch als solches keine Zukunft hat.

Der Ausblick

Apple ist hier - wie so oft schon in der Vergangenheit - auf einem sinnvollen Weg: Eine Uhr die wasserdicht ist, eine überdurchschnittliche Akkulaufzeit hat und genügend Funktionen, welche auch einfach funktionieren. Android Wear, die Uhrensoftware von Google, hat das ähnliche Problem wie schon Android auf dem Telefon. Es gibt unzählige Hersteller, welche Uhren unterschiedlichster Qualität und Ausstattung bauen, was in einer unübersichtlichen Marktsituation resultiert. Nichts desto trotz kann es auch eine Chance für neue Firmen sein, in diesen Markt einzusteigen. So gibt es inzwischen Smartwatches von Modefirmen wie Michel Kors oder Fossil. Bald werden weitere wie Swarovski und auch Diesel folgen. Samsung hat sich inzwischen gedacht, dass die Software von Google zu komplex und somit zu kompliziert ist und hat ihr eigenes Uhrenbetriebssystem Tizen entwickelt. Es hat ein paar interessante Ansätze, jedoch im Moment noch sehr limitierte Möglichkeiten. Also wo wird die Reise hingehen?


Ich denke es ist wie so oft im Leben, es wird derjenige gewinnen, der eine gute Balance erreicht. Eine Balance zwischen den Vor- und Nachteilen davon, dass es ständig am Handgelenk vibriert.

Zurück

Einen Kommentar schreiben